Fahrrad zum E-Bike umbauen? Diese drei neuen Systeme könnten sich endlich lohnen
E-Bike-Nachrüstlösungen für Fahrräder gibt es schon länger. Doch richtig praktikabel waren sie bisher nicht. Unser Autor hat aber jetzt drei Systeme getestet, die das ändern könnten.
Von MIT Technology Review Online
13.09.2025, 17:50 Uhr
•
3 Min.
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Fahrrad zum E-Bike umbauen? Diese drei neuen Systeme könnten sich endlich lohnen
Pedelcs haben den Nachteil, dass sie schwer sind. Nachrüst-Lösungen für Fahrräder ohne Elektro-Antrieb fallen weniger ins Gewicht. (Foto: moreimages/Shutterstock)
Seit Jahren werde ich gefragt, ob sich ein herkömmliches Fahrrad eigentlich sinnvoll elektrifizieren lässt. Bisher war meine Antwort meist: eher nicht – zu aufwendig, zu teuer und oft nicht legal. Doch auf der Fahrradmesse Eurobike in Frankfurt bin ich auf drei interessante Nachrüstlösungen gestoßen, die das Potenzial haben, meine Einschätzung zu ändern.
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Alle drei Systeme kombinieren Akku und Antrieb in einer Einheit, die sich schnell und mit wenig oder ganz ohne Werkzeug anbringen und wieder abnehmen lässt. Unterschiede gibt es bei der Kraftübertragung – und beim Preis.
Pika Boost: Nachrüstung fürs Hinterrad
Der PikaBoost treibt das Hinterrad über eine Reibrolle an. Das Drei-Kilo-System erinnert an eine kleine Zeitungsrolle mit Rädchen. Zur Montage wird eine Schelle am Sattelrohr oder am Rahmen befestigt, an der die Antriebseinheit in einem Gelenk fixiert wird. Schutzbleche oder Gepäckträger dürfen dabei allerdings nicht im Weg sein. Dafür bringt der Motor ein integriertes Rücklicht und als Zubehör einen kleinen Spritzschutz mit.
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Zum Abnehmen muss eine Schraube mit einem Inbusschlüssel geöffnet werden, nur der Akku lässt sich ohne Werkzeug entnehmen. Bei trockenem Wetter bringt die profilierte Gummirolle die 250 Watt sicher auf die groben Mountainbikereifen meines Testrads, Regen und Matsch konnte ich nicht testen.
Nach kurzem Antreten startet die Unterstützung. Trete ich schneller, nimmt sie zu, höre ich auf, stoppt sie. Gesteuert wird alles über Daten aus dem Motor und einem Bewegungssensor. Die Unterstützung ist ordentlich, auf der Parkhausrampe muss ich aber trotzdem kräftig selbst treten.
Pika Boost (529 Euro, 220 Wattstunden). (Foto: Livall)
Clip: Montage an der Gabel
Der Clip wiegt knapp unter vier Kilo und wird an die Gabel „geclipt“. Wie der PikaBoost treibt er das Rad über eine Reibrolle an, nur eben vorne. Er passt für 26- bis 28-Zoll-Räder, Schutzbleche dürfen bleiben.
Auch beim Clip gilt: Erst treten, dann zieht der Motor an. Wer will, montiert den mitgelieferten Boost-Knopf am Lenker: Per Tastendruck gibt’s volle Power, allerdings auf Kosten der Reichweite. Der Akku reicht für etwa 16 bis 19 Kilometer. Für längere Fahrten gibt es eine Version mit 196 Wh.
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(Foto: Clip)
Skarper: Für Fahrräder mit Scheibenbremse
Am teuersten ist der Skarper. Mit knapp über fünf Kilo Gesamtgewicht ist er dafür technisch auf einer Höhe mit ab Werk eingebauten Systemen mit Naben- oder Mittelmotor. Die Erstmontage ist aufwendiger als bei den beiden Systemen mit Reibrolle, aber nicht so aufwendig wie etwa bei der Nachrüstlösung von Pendix (1.300 Euro). Dort muss man ein neues Tretlager mit Kurbeln installieren und noch einen Platz für den separaten Akku finden. Der Skarper hingegen ersetzt die hintere Bremsscheibe durch ein eigenes System mit integriertem Getriebe und Bremse. An das dockt der Motor schlupf- und wackelfrei an. Auch die Sensorik ist komplexer: Ein Tretsensor erkennt die Trittfrequenz, Beschleunigungssensoren messen Neigung und Position. Der Motor unterstützt direkt aus dem Stand und reagiert sofort auch auf kleinste Änderungen beim Treten.
Skarper (1700 Euro, 240 Wattstunden). (Foto: Skarper)
Fazit: Für wen sich die Nachrüst-Systeme eignen
Kann man die Systeme empfehlen? Ich würde sagen: Ja.
Hinweis: Dieser Podcast wird durch Sponsorings unterstützt. Alle Infos zu unseren Werbepartnern findest du hier.
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Eine Übersicht über alle bisherigen Weekly-Folgen gibt es hier.
Der Skarper hat mich am meisten überzeugt: technisch ausgereift, sauber integriert. Wer sein hochwertiges Rennrad zum Pendeln aufrüsten will, liegt mit ihm richtig. Allerdings braucht es dafür ein Fahrrad mit Scheibenbremsen.
Der Clip ist schick, schnell montiert und günstig – den würde ich sofort an ein altes Stadtrad klemmen.
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Der PikaBoost ist der Praktiker unter den dreien: kein Designwunder, aber unkompliziert. Sein Akku dient sogar als Powerbank. Als Einziger ist er schon EU-konform. Der Skarper wird nur in Großbritannien verkauft, der Clip in den USA. Beide wollen in ein paar Monaten aber auch in Europa auf den Markt kommen.
