GUTSCHEINCODE
Elektro-Zweiräder in Deutschland 2025: Wachstum auf dem Papier – Ernüchterung im Alltag
Ich beschäftige mich seit über elf Jahren intensiv mit Elektromobilität auf zwei Rädern. Nicht vom Schreibtisch aus, sondern draußen – bei Händlern, Importeuren, Herstellern, auf Messen, in Werkstätten und im direkten Austausch mit Fahrerinnen und Fahrern. Genau deshalb tue ich mich schwer damit, reine Zulassungszahlen unkommentiert stehen zu lassen.
Die jetzt vorliegenden Zahlen zu Elektro-(Leicht-)Krafträdern, Elektro-Kraftrollern sowie dem Gesamtmarkt für Motorräder und Roller wirken auf den ersten Blick eindeutig. Beim genaueren Hinsehen offenbart sich jedoch ein deutlich komplexeres – und teilweise ernüchterndes – Bild.
Wichtig vorab, auch aus SEO- und Statistik-Sicht:
Die vorliegenden Zahlen umfassen nur elf Monate. Der Dezember fehlt vollständig.
Gerade im Zweiradmarkt ist das nicht banal. Der Dezember ist traditionell kein starker Monat, kann aber durch Tageszulassungen, Abverkäufe und Flottenabschlüsse durchaus noch spürbare Verschiebungen verursachen. Alle Aussagen beziehen sich also ausdrücklich auf den Zeitraum Januar bis November 2025 – im Vergleich zum identischen Zeitraum 2024.
Elektro-(Leicht-)Krafträder: Starkes Plus – aber von welchem Niveau?
Die headline-taugliche Zahl zuerst:
+70,8 Prozent Wachstum bei den Elektro-(Leicht-)Krafträdern.
2024: 1.353 Neuzulassungen
2025: 2.311 Neuzulassungen (11 Monate)
Das klingt nach Durchbruch. Nach Trendwende. Nach “Elektro setzt sich durch”.
Doch genau hier beginnt mein kritischer Blick.
2.311 Fahrzeuge bundesweit – auf elf Monate verteilt – bedeuten im Schnitt rund 210 Fahrzeuge pro Monat. Für ein Land mit über 80 Millionen Einwohnern, zehntausenden Motorradhändlern und einer starken Zweiradtradition ist das weiterhin ein extrem kleiner Markt.
Marktführer und ihre Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr
Zero Motorcycles – Stabilität statt Explosion
Zero bleibt Marktführer bei den Elektro-Leichtkrafträdern.
280 Zulassungen bedeuten ein Plus von 18,6 Prozent gegenüber 2024.
Was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, ist bei genauerem Hinsehen bemerkenswert:
Zero wächst nicht durch Rabattorgien, nicht durch Behördenaufträge und nicht durch kurzfristige Strohfeuer. Die Marke wächst langsam, aber kontinuierlich – getragen von einer sehr klaren Positionierung, verlässlicher Technik und einem funktionierenden Servicenetz.
Der Marktanteil sinkt dennoch von 17,44 auf 12,12 Prozent. Nicht, weil Zero schwächer wird – sondern weil der Gesamtmarkt schneller wächst. Ein klassischer Fall von relativem Verlust bei absolutem Gewinn.
Vmoto – Der Preis allein reicht nicht mehr
Vmoto verliert 22,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
103 Zulassungen statt 133.
Vmoto war lange Zeit stark im gewerblichen Bereich, bei Sharing-Flotten und im preisorientierten Segment. Genau dort bricht der Markt jedoch weg. Kommunen sparen, Sharing-Anbieter konsolidieren, und private Käufer vergleichen deutlich kritischer.
Hier zeigt sich ein strukturelles Problem:
Elektro-Leichtkrafträder lassen sich nicht dauerhaft über den Preis verkaufen, wenn Emotion, Design und Markenbindung fehlen.
Kawasaki – Lehrstück eines Rückzugs
-75,3 Prozent.
67 Zulassungen statt 271 im Vorjahr.
Kawasaki liefert eines der drastischsten Beispiele dafür, was passiert, wenn Elektromobilität eher als Pflichtübung denn als strategisches Zukunftsthema verstanden wird. Zwei Modelle, geringe Reichweiten, kaum Händlerengagement – das Ergebnis ist ein faktischer Rückzug aus der Wahrnehmung.
Das ist besonders brisant, weil Kawasaki im klassischen Motorradmarkt eine starke Marke ist. Umso deutlicher wird hier: Markenstärke allein reicht im Elektrosegment nicht aus.
LiveWire – Wachstum aus der Nische
+42,2 Prozent klingt beeindruckend.
64 Zulassungen relativieren das Bild.
LiveWire profitiert von der starken Marke im Hintergrund und einer klaren, emotionalen Ansprache. Gleichzeitig bleibt das Produkt hochpreisig, erklärungsbedürftig und stark urban geprägt. Für den Massenmarkt ist das noch nichts – für Markenaufbau allerdings schon.
Bombardier – Der vorsichtige Neue
41 Zulassungen, Vorjahr null.
Can-Am ist neu im Markt und tastet sich langsam heran. Die Zahl ist gering, das Signal jedoch wichtig: Große Industrieplayer kommen – aber sie kommen vorsichtig. Niemand verbrennt hier aktuell Geld.
Zwischenfazit Elektro-Leichtkrafträder
Ja, der Markt wächst.
Nein, er ist noch lange nicht etabliert.
Das Wachstum speist sich aus:
-
niedriger Ausgangsbasis
-
punktueller Nachfrage
-
relativer Schwäche des Verbrennermarkts
Nicht aus einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz.
Elektro-Kraftroller: Der Markt wird neu verteilt
3.723 Zulassungen 2025 gegenüber 3.867 im Vorjahr.
Ein Minus von 3,7 Prozent – auf den ersten Blick moderat.
Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich eine massive Verschiebung der Marktanteile.
NIU – Der klare Gewinner
NIU explodiert förmlich:
1.036 Zulassungen gegenüber 229 im Vorjahr.
+352,4 Prozent.
NIU macht vieles richtig:
-
klare Produkte
-
wettbewerbsfähige Preise
-
starke Präsenz im urbanen Raum
-
Fokus auf Alltag statt Lifestyle
NIU verkauft keine Vision – NIU verkauft Lösungen. Genau das funktioniert aktuell.
BMW – Der Absturz eines Hoffnungsträgers
-72,2 Prozent.
291 Zulassungen statt 1.047.
Der CE 04 war ein medialer Star. Designpreis, Aufmerksamkeit, Image. Doch genau das reicht nicht. Der Preis ist hoch, die Alltagstauglichkeit begrenzt, die Zielgruppe klein. Der Markt hat sich hier schneller ernüchtert als BMW vermutlich erwartet hat.
SEAT, Horwin, Scutum
Alle drei verlieren deutlich. Gründe:
-
steigende Konkurrenz
-
geringere Förderkulissen
-
höhere Kundenerwartungen
Der Markt für Elektro-Roller ist kein Wachstumsversprechen mehr, sondern ein Verdrängungsmarkt.
Blick über den Tellerrand: Der Gesamtmarkt bricht ein
Jetzt kommt der entscheidende Kontext.
Motorräder gesamt:
-95.190 Zulassungen 2025
-134.516 Zulassungen 2024
→ -29,2 Prozent
Kraftroller gesamt:
-13.844 Zulassungen 2025
-17.533 Zulassungen 2024
→ -21,0 Prozent
Das ist kein konjunktureller Schluckauf. Das ist eine strukturelle Krise.
Große Namen, große Verluste
Besonders auffällig:
-
KTM: -79,3 %
-
Harley-Davidson: -47,6 %
-
Yamaha: -36,2 %
Das trifft auch die Elektromobilität indirekt. Händler kämpfen ums Überleben, Lager stehen voll, Kapital ist knapp. In so einer Phase investiert niemand leichtfertig in neue Technologien.
Warum Elektro trotzdem wächst – relativ gesehen
Elektro wächst nicht, weil alle überzeugt sind.
Elektro wächst, weil:
-
Verbrenner verlieren
50€
100€
10€
-
urbane Mobilität sich verändert
-
Flotten und Behörden umstellen
-
Wartungsarmut zählt
Es ist ein relatives Wachstum, kein ideologischer Durchbruch.
Der fehlende Dezember: Warum Vorsicht geboten ist
Noch einmal deutlich:
Der Dezember 2025 fehlt in allen Zahlen.
Gerade im Elektrobereich können:
-
kurzfristige Flottenzulassungen
-
Abverkäufe
-
Tageszulassungen
das Bild noch leicht verschieben. Große Trendwenden wird der Dezember aber nicht mehr bringen. Dafür sind die Abstände zu groß.
Meine persönliche Einschätzung
Wir erleben 2025 keinen Elektro-Boom, sondern eine Marktbereinigung mit elektrischer Note.
Elektro-Zweiräder setzen sich dort durch, wo sie:
-
logisch
-
wirtschaftlich
-
alltagstauglich
sind. Nicht dort, wo sie ideologisch aufgeladen werden.
Die Politik feiert Prozentzahlen.
Der Markt schaut auf Stückzahlen.
Und die Realität liegt – wie so oft – irgendwo dazwischen.
🔥 Werde jetzt Kanalmitglied! 🔥
https://www.youtube.com/channel/UC3yeO-6AM65HYwLMN0ST7ZQ/join
👉 ScooterheldenLive abonnieren 👈
https://youtube.com/@scooterheldenlive?sub_confirmation=1
⚡️ NEWS & GUTSCHEINE ⚡️
https://scooterhelden.sleware.com/gutscheine/
YOUTUBE VIDEOS

