MTB-Verkäufe sinken – warum verkümmert das Mountainbike?
Die Zahlen sind seit Jahren eindeutig – und trotzdem sorgt das Thema immer wieder für Diskussionen: Klassische Mountainbikes ohne Motor verlieren im Handel an Bedeutung, während E-Mountainbikes einen enormen Anteil der Verkaufszahlen ausmachen. Die ZIV-Statistik zeigt schwarz auf weiß, was viele auf Trails, in Bikeparks und im Freundeskreis längst beobachten. Doch ist das Mountainbike wirklich auf dem absteigenden Ast – oder wird hier ein falsches Bild gezeichnet?
Ein italienischer Kommentar bei ebike-mag.com hat genau diesen Nerv getroffen und die provokante Frage gestellt: Warum verkauft sich das MTB so schlecht, obwohl Mountainbiken als Sport und Lifestyle so präsent ist wie nie zuvor? Zeit, genauer hinzuschauen – und nicht nur mit dem Finger auf den Motor zu zeigen.
Hintergrund: Verkaufszahlen MTB vs. E-MTB
Der Zweirad-Industrie-Verband veröffentlicht seit Jahren detaillierte Marktdaten. Diese zeigen klar: Das Segment Fahrrad ohne Motor schrumpft insgesamt, während E-Bikes den Markt dominieren. Bereits 2023 wurden erstmals mehr E-Bikes als klassische Fahrräder verkauft. Innerhalb des E-Bike-Segments liegt der Anteil der E-Mountainbikes inzwischen bei rund 40 Prozent.
Im Vergleich dazu ist der Anteil des klassischen MTBs im unmotorisierten Segment dramatisch gesunken. 2024 lag er nur noch bei rund 3 Prozent. Das heißt: Von 100 verkauften Fahrrädern ohne Motor sind gerade einmal drei Mountainbikes. Diese Diskrepanz wirft zwangsläufig Fragen auf.
Ist wirklich alles ein E-Mountainbike?
Ein zentraler Kritikpunkt liegt in der Datengrundlage selbst. Denn was heute alles als E-MTB klassifiziert wird, ist nicht immer eindeutig. SUV-E-Bikes, vollgefedert, mit breiten Reifen, Schutzblechen und Gepäckträgern, tauchen in den Statistiken häufig als E-Mountainbike auf – werden aber in der Realität kaum auf Singletrails bewegt.
Das verzerrt das Bild massiv. Wer sich allein auf die Zahlen verlässt, könnte glauben, dass 40 Prozent aller E-Bike-Käufer leidenschaftliche Trailfahrer sind. Die Realität sieht anders aus. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Mountainbike, Trekkingrad und Alltagsfahrzeug – mit erheblichen Auswirkungen auf die Interpretation der Verkaufszahlen.
These 1: Die Datengrundlage ist nicht eindeutig
Zahlen lügen nicht – aber sie erzählen auch nicht immer die ganze Wahrheit. Wenn SUV-E-Bikes als E-MTBs gezählt werden, obwohl sie nie im Gelände bewegt werden, entsteht ein falsches Bild der Zielgruppe. Die Frage lautet also: Verlieren Mountainbikes wirklich an Relevanz – oder werden sie statistisch verdrängt?
These 2: Sport oder Spaß – was ist Mountainbiken heute?
Mountainbiken ist längst kein Nischensport mehr. Die meisten Menschen fahren nicht, um Trainingspläne zu erfüllen oder Leistungswerte zu optimieren. Es geht um Spaß, Flow, Natur und Abfahrten. Der sportliche Effekt ist oft ein angenehmer Nebeneffekt – nicht das Hauptziel.
Genau hier setzt das E-MTB an. Warum sich im Uphill quälen, wenn man mehr Abfahrten, mehr Trails und mehr Fahrzeit haben kann? Für viele ist das kein Zeichen von Bequemlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung für mehr Fahrspaß.
These 3: Gemeinschaft schlägt Gerätekategorie
Ein oft unterschätzter Faktor ist die soziale Komponente. Mountainbiken ist zwar ein Individualsport, funktioniert aber für viele nur in der Gruppe. Unterschiedliche Fitnesslevel waren dabei lange ein limitierender Faktor. Das E-MTB gleicht diese Unterschiede aus und ermöglicht gemeinsame Touren, Gespräche im Uphill und mehr Zeit miteinander.
Gleichzeitig verkürzt der Motor genau diese Zeit wieder, weil Anstiege schneller erledigt sind. Ein spannender Widerspruch, der zeigt, wie ambivalent der Einfluss des E-Antriebs tatsächlich ist.
These 4: Zeitmanagement im Alltag
Viele Menschen haben wenig Zeit – und wollen in dieser Zeit möglichst viel erleben. Das E-MTB ist hier unschlagbar. Mehr Höhenmeter, mehr Trails, mehr Runden in kürzerer Zeit. Für den klassischen Mountainbiker bedeutet das oft: weniger Fahrzeit, weniger Erlebnis – zumindest gefühlt.
These 5: Preisentwicklung und Zugänglichkeit
Die Preisentwicklung spielt ebenfalls eine große Rolle. Während die UVP von E-MTBs deutlich gestiegen ist, haben massive Rabatte in den letzten Jahren den Abstand zum klassischen MTB stark verkleinert. Die logische Frage vieler Käufer lautet: Warum ein Mountainbike kaufen, wenn ich fürs gleiche Geld ein E-MTB bekomme?
Hinzu kommt das boomende Leasing-Modell. Monatliche Raten senken die Einstiegshürde erheblich. Ein teures E-MTB wirkt plötzlich erschwinglich – während das klassische MTB kaum noch einen finanziellen Vorteil bietet.
These 6: Industrie und Medien als Verstärker
Wo Nachfrage ist, entsteht Angebot – und umgekehrt. Die Industrie investiert massiv in E-MTB-Innovationen, weil dort aktuell das Geld verdient wird. Leichte Rahmen, neue Motoren, Akkus, Software – das alles erzeugt Aufmerksamkeit. Auch der Fachjournalismus greift diese Themen dankbar auf.
Das klassische Mountainbike wirkt dagegen ausentwickelt. Es funktioniert hervorragend, bietet aber weniger „Story“. Das kann dazu führen, dass es im Marketing und in der Wahrnehmung weiter in den Hintergrund rückt – ein möglicherweise hausgemachtes Problem.
These 7: Konsum- statt Genussgesellschaft?
Unsere Gesellschaft ist auf schnelle Belohnung getrimmt. Mehr Output in weniger Zeit. Auch im Sport. Das E-MTB passt perfekt in dieses Schema. Mehr Trails, mehr Höhenmeter, mehr Action – notfalls mit Ersatzakku.
Doch dabei geht auch etwas verloren: Zeit. Zeit zum Nachdenken im Uphill, Zeit für Gespräche, Zeit für bewussten Genuss. Das klassische Mountainbike zwingt zur Entschleunigung – und genau das macht es für manche wieder unattraktiv.
Wie sieht die Zukunft des Mountainbikes aus?
Mountainbiken wird nicht verschwinden. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass nach der aktuellen E-MTB-Dominanz auch das klassische MTB wieder an Bedeutung gewinnen wird. Beide Welten bedienen unterschiedliche Bedürfnisse – und genau darin liegt ihre Stärke.
Für mich persönlich ist der Wechsel zwischen E-MTB und Mountainbike ein echter Gewinn. Wie Yin und Yang ergänzen sich beide Konzepte. Das eine lebt vom Komfort, das andere vom bewussten Verzicht. Und genau deshalb haben beide ihre absolute Berechtigung.
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