Zongshen-Patent: Erste Servolenkung fürs Motorrad – kombiniert mit Radnabenlenkung
Servolenkung im Auto? Seit Jahrzehnten Standard. Am Motorrad? Bis heute ein Tabu. Genau dieses Dogma stellt der chinesische Hersteller :contentReference[oaicite:1]{index=1} jetzt offen infrage. Anfang 2026 tauchte eine Patentanmeldung auf, die es in sich hat: eine servounterstützte Motorradlenkung – kombiniert mit einer Radnabenlenkung.
Was nach Technik-Spielerei klingt, könnte sich als Türöffner für völlig neue Assistenzsysteme entpuppen. Und genau hier wird es spannend.
Warum Motorräder bisher ohne Servolenkung auskommen mussten
Während Autos immer schwerer, komplexer und stärker assistiert wurden, blieb das Motorrad bewusst „pur“. Direkte Rückmeldung, mechanisches Feedback und möglichst wenig Eingriff galten lange als heilig. Doch moderne Motorräder sind längst keine Leichtgewichte mehr – Reiseenduros, Tourer und E-Motorräder bringen teils enorme Massen auf die Straße.
Dass die Servolenkung diesen Schritt bislang nicht mitgegangen ist, war eher Tradition als technische Notwendigkeit.
Erste Motorrad-Servolenkung von Zongshen
Zongshen – auch unter dem Namen Zonsen bekannt – ist kein No-Name. Der Konzern ist einer der größten Motorradhersteller Chinas, langjähriger Partner von Piaggio und in Europa zunehmend mit der Marke Cyclone präsent.
Die jetzt aufgetauchte Patentanmeldung beschreibt erstmals eine seriennah gedachte Servolenkung für Motorräder – nicht als Showbike, sondern als funktionales System.
Elektrohydraulisches System mit Sensorik
Laut Patent setzt Zongshen auf eine elektrohydraulische Lösung. Unterhalb des Lenkers sind zwei Kolbenstangen angeordnet, die mit Sensoren ausgestattet sind. Diese erfassen die Lenkbewegung des Fahrers und leiten sie an das Servosystem weiter.
Im Gegensatz zu einer klassischen mechanischen Lenkung greift hier also eine elektronische Steuerung aktiv in den Lenkprozess ein – dosiert, situationsabhängig und theoretisch programmierbar.
Zentrale Hydraulik-Pumpe als Herzstück
Das zentrale Element der Konstruktion ist eine elektrohydraulische Pumpeneinheit. Von ihr führen zwei Hydraulikleitungen direkt zum Vorderrad, wo ein Nehmerzylinder die Lenkbewegung unmittelbar an der Radnabe umsetzt.
Und genau hier zeigt sich: Diese Servolenkung ist nicht für eine herkömmliche Telegabel gedacht.
Radnabenlenkung als Basis
Bestandteil des Patents ist eine Radnabenlenkung mit Aluminium-Einarmschwinge und zwei Federbeinen. Die Bremse sitzt kompakt im relativ breiten Vorderrad: eine einzelne Scheibe mit zwei gegenüberliegenden Bremszangen – selbstverständlich mit ABS.
Die Lenkung ist damit vollständig von Brems- und Federkräften entkoppelt. Ein Konzept, das technisch enorme Vorteile bietet, sich aber historisch nie durchsetzen konnte.
Vorteile: Stabilität, Assistenz, Zukunftsfähigkeit
Der große Vorteil einer solchen Konstruktion liegt weniger im „leichteren Lenken“ als in den neuen Möglichkeiten für Assistenzsysteme. Eine elektronisch unterstützte Lenkung erlaubt gezielte Eingriffe:
• stabilisierende Lenkimpulse abhängig von Geschwindigkeit
• aktives Zusammenspiel mit ABS und Traktionskontrolle
• Spurhalte-Assistenten
• Frontkollisionswarnungen mit Lenkeingriff
Damit rückt das Motorrad technisch näher an moderne Fahrerassistenzsysteme heran – ohne gleich autonom fahren zu müssen.
Nachteile: Gewicht, Komplexität, Kosten
Die Kehrseite ist bekannt. Radnabenlenkungen bringen mehr Gewicht, höheren konstruktiven Aufwand und höhere Kosten mit sich. Zudem berichten viele Fahrer von einem entkoppelten Fahrgefühl – präzise, aber weniger „lebendig“.
Die zusätzliche Servolenkung verschärft diese Punkte eher, als sie zu entschärfen.
Auch BMW, Honda und Yamaha forschen
Zongshen ist mit der Idee nicht allein. Auch BMW, Honda und Yamaha arbeiten seit Jahren an alternativen Lenksystemen und Assistenzlösungen. Beispiele wie Honda Riding Assist oder Yamahas AMSAS zeigen, dass das Thema längst ernst genommen wird – allerdings bislang ohne Serienumsetzung.
Cyclone RA 1000 als möglicher Serienkandidat?
Interessant: Der im Patent gezeigte Rahmen entspricht weitgehend dem der Cyclone RA 1000. Dieses Naked Bike nutzt einen V2-Motor auf Basis der Aprilia Shiver 900 (Piaggio-Technik) und besitzt bereits eine Einarmschwinge hinten.
Eine neue Version mit Radnabenlenkung vorn und Servounterstützung wäre technisch plausibel – und würde Cyclone schlagartig ein echtes Alleinstellungsmerkmal verschaffen.
Kommt die Motorrad-Servolenkung wirklich in Serie?
Ob und wann Zongshen diesen Schritt wagt, ist offen. Doch chinesische Hersteller haben in den letzten Jahren mehrfach bewiesen, dass sie bereit sind, technische Risiken einzugehen, wo europäische und japanische Marken zögern.
Die Servolenkung fürs Motorrad könnte genau so ein Moment sein.
Fazit: Technischer Tabubruch mit Signalwirkung
Zongshen stellt mit seinem Patent eine Grundsatzfrage: Muss Motorradfahren immer rein mechanisch bleiben – oder darf Sicherheit, Assistenz und Elektronik künftig eine größere Rolle spielen?
Die Kombination aus Radnabenlenkung und Servolenkung ist technisch aufwendig, aber sie öffnet die Tür für völlig neue Sicherheits- und Komfortfunktionen. Ob sich das Konzept durchsetzt, wird nicht allein die Technik entscheiden – sondern auch Akzeptanz, Gesetzgebung und Mut zur Serie.
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