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    Home»E-News 24/7»E-Scooter als Sündenbock? Warum jeder Unfall sofort zur Schlagzeile wird
    E-News 24/7

    E-Scooter als Sündenbock? Warum jeder Unfall sofort zur Schlagzeile wird

    14. März 2026Keine Kommentare
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    Ständige negative Presse gegen E-Scooter – ist das nur Zufall?

    Wer die Berichterstattung der letzten Jahre verfolgt, bekommt schnell den Eindruck, als sei jeder Unfall mit einem E-Scooter automatisch ein gesellschaftliches Warnsignal. Kaum kracht es irgendwo mit einem Roller, wird groß diskutiert, gewarnt, problematisiert und moralisch aufgeladen. Genau das ist der Punkt, den man kritisch hinterfragen muss: Es fühlt sich oft so an, als würde bei E-Scootern jeder einzelne Unfall auf die Goldwaage gelegt werden, während bei anderen Verkehrsmitteln deutlich mehr hingenommen wird.

     

    Die nackten Zahlen erzählen eine andere Geschichte

    Natürlich wäre es unseriös, die Probleme kleinzureden. Laut Destatis gab es 2024 in Deutschland 11.944 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden, 27 Menschen kamen dabei ums Leben. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr und diese Entwicklung darf man nicht wegwischen. Aber genauso unseriös wäre es, daraus zu machen, E-Scooter seien das dominierende Sicherheitsproblem auf deutschen Straßen. Genau das geben die Zahlen eben nicht her.

     

    Denn Destatis sagt selbst, dass E-Scooter im gesamten Unfallgeschehen weiterhin eine vergleichsweise geringe Rolle spielen. An 290.701 Verkehrsunfällen mit Personenschaden im Jahr 2024 war nur in 4,1 Prozent ein E-Scooter beteiligt. Gleichzeitig registrierte die Polizei rund 93.279 Fahrrad-Unfälle mit Personenschaden. Das ist eine völlig andere Größenordnung. Auch bei den Beteiligten an Unfällen mit Personenschaden liegen E-Scooter mit 12.101 deutlich unter Fahrrädern ohne Hilfsmotor mit 73.856, unter Pedelecs mit 27.450 und weit unter Pkw mit 311.973.

     

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    Warum wirkt das Thema dann trotzdem so riesig?

    Weil E-Scooter medial perfekt funktionieren. Sie sind neu genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Sie sind klein, sichtbar und im Stadtbild sofort erkennbar. Sie stehen symbolisch für moderne, spontane, urbane Mobilität – und genau deshalb eignen sie sich ideal als Projektionsfläche für Frust, Ordnungspolitik und Kulturkampf. Ein Unfall mit einem Auto ist oft einfach eine Meldung. Ein Unfall mit einem E-Scooter wird schnell zur Debatte über Rücksichtslosigkeit, Regelbruch und angebliches Verkehrschaos.

     

    Dazu kommt: Viele E-Scooter-Unfälle konzentrieren sich in Großstädten. 53,7 Prozent der Unfälle mit Personenschaden wurden 2024 in Städten ab 100.000 Einwohnern registriert. Dort ist die mediale Aufmerksamkeit ohnehin höher, genauso wie der politische Druck, Konflikte im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Was häufig gesehen wird, wirkt automatisch größer – auch dann, wenn der statistische Anteil am Gesamtgeschehen vergleichsweise klein bleibt.

     

    Die Debatte ist nicht komplett falsch – aber oft schief gewichtet

    Man muss fair bleiben: Die Statistik liefert auch Punkte, die Kritiker natürlich aufgreifen. Häufige Unfallursachen bei E-Scooter-Fahrenden waren 2024 falsche Straßenbenutzung mit 21,2 Prozent und Alkoholeinfluss mit 12,4 Prozent. Das sind keine Nebensächlichkeiten. Wer darüber berichtet, berichtet also nicht automatisch unfair. Die Schieflage entsteht erst dann, wenn aus realen Problemen ein übergroßes Gesamtbild konstruiert wird, das E-Scooter größer, gefährlicher und gesellschaftlich problematischer erscheinen lässt, als es die reine Unfallbedeutung tatsächlich hergibt.

     

    Genau hier liegt die spannende Antithese: Nicht jeder kritische Bericht ist falsch. Aber die Summe dieser Berichte kann trotzdem ein verzerrtes Bild erzeugen. Wenn ein Verkehrsmittel nur einen kleinen Anteil am gesamten Unfallgeschehen hat, medial aber so behandelt wird, als sei es ein Kernproblem des Straßenverkehrs, dann darf man sehr wohl fragen, ob hier Maßstäbe verrutscht sind.

     

    Was beim Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln oft unterschlagen wird

    Wer ehrlich vergleichen will, darf nicht nur absolute Zahlen nebeneinanderstellen. Die bundesweite Studie Mobilität in Deutschland zeigt für 2023 einen Modal Split von 40 Prozent für Pkw-Fahrende, 13 Prozent für Pkw-Mitfahrende, 11 Prozent für das Fahrrad und 11 Prozent für den öffentlichen Verkehr. E-Scooter tauchen dort im bundesweiten Hauptverkehrsmittel-Mix gar nicht als dominante Kategorie auf. Genau deshalb ist Vorsicht geboten: E-Scooter sind sichtbar, aber im Alltagsverkehr insgesamt viel kleiner, als es die Schlagzeilen oft suggerieren.

     

    Anders gesagt: Ja, E-Scooter-Unfälle sind ein reales Thema. Aber nein, daraus folgt nicht automatisch, dass E-Scooter das große Straßenverkehrsproblem unserer Zeit sind. Es kann gut sein, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich größer gemacht werden, weil sie politisch, kulturell und medial einfach besser “funktionieren” als der alltägliche Unfall mit Auto oder Fahrrad.

     

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    Mein Fazit

    Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob man über E-Scooter-Unfälle berichten darf. Natürlich darf man das. Die bessere Frage ist: Warum wird bei E-Scootern oft sofort eine Grundsatzdebatte daraus, während bei anderen Verkehrsmitteln viel gravierendere Zahlen oft erstaunlich nüchtern behandelt werden? Genau hier beginnt die Schieflage.

    Für mich ist deshalb klar: Die negative Presse gegen E-Scooter wirkt oft überproportional. Nicht zwingend als nachweisbares System, aber sehr wohl als wiederkehrendes Muster. Und genau deshalb lohnt sich die Gegenfrage: Wird hier wirklich fair über Risiken gesprochen – oder hat sich der E-Scooter längst zum perfekten Sündenbock für ein viel größeres Verkehrsproblem entwickelt?

     

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